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Aug 27

Ibusuki 指宿 – Vergraben im Sand

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Etwa eine Zugstunde südlich von Kagoshima, und damit so ungefähr am untersten Ende Kyushus, liegt Ibusuki, ein kleiner Ort, der hauptsächlich für seine Onsen berühmt ist. Ich muss gestehen, dass ich von dem Ort an sich, der einen sehr hübschen Eindruck auf mich gemacht hat, nicht viel gesehen habe. Es ist aber nicht so, als hätte ich den Kopf in den Sand gesteckt. Nein, genaugenommen war der Kopf das einzige, was aus dem Sand herausgeschaut hat…

Ich habe Ibusuki am Ende eines langen und heißen Tages besucht, an dem ich viel herumgekommen bin, um eine Empfehlung meiner Vermieterin, das berühmte Vulkansand-Onsen, genannt „Sunamushi“, zu besuchen. Dort kann man sich mit einem geliehenen Yukata bekleidet in heißen schwarzen Vulkansand einbuddeln lassen, was unheimlich gesund sein soll. Die empfohlene Dauer sind zehn Minuten im heißen Sand, und genauso habe ich’s auch gemacht. (Wer viel länger bleibt, riskiert Verbrennungen, hieß es…) Danach geht man sich den Sand abspülen und setzt sich ins „normale“ Onsen (mit heißem Wasser).

In Kagoshima hatte ich einige Onsen besucht, deren Wasser mir einfach zu heiß war, um es genießen zu können, und das Sandbad sollte nach Angaben meiner Vermieterin noch heißer sein… Nach dieser Warnung war ich dann doch überrascht, wie angenehm der heiße Sand sich angefühlt hat. Es war zwar heiß, aber da es fester, schwerer Sand war und kein heißes Wasser, war es sehr gut auszuhalten. Überrascht hat mich auch, wie schwer der Sand auf den Körper gedrückt hat. Beim Atmen hatte ich richtig Gewicht zu stemmen, und ich spürte im ganzen Körper, bis in den kleinen Zeh, das Blut im Körper pulsieren – wie wenn man beim Arzt den Blutdruck misst, nur stärker und überall.

Am Anfang habe ich lachen müssen, als mich zwei erwachsene Männer mit großen Spaten bis zum Kopf im Sand eingebuddelt haben – aber das Lachen verging mir schnell, denn ich war mit Atmen und Schwitzen beschäftigt…

Als ich aufgestanden bin, war ich am ganzen Körper entspannt. Selbst die Schultern haben nicht mehr wehgetan (und dabei hatte ich mich mit den Schulterschmerzen vom ständigen Rucksacktragen schon abgefunden und angefreundet…)

Wenn man Ibusuki aus noch ein paar Stationen mit dem Zug weiterfährt, kommt man ans Ende der Bahnstrecke, was für das Bahnland Japan schon etwas heißen will und anmutet wie das Ende der Welt. Ich wäre gerne noch die paar Stationen gefahren, um – wie angeblich auch viele Japaner – ein Foto von dem Ort in Japan zu machen, an dem die Schienen nicht mehr weitergehen. Letztendlich hat mich die vorgerückte Uhrzeit jedoch überzeugt, besser meine entspannten Schultern auf meinem Futon in Kagoshima zur Ruhe kommen zu lassen und zu hoffen, dass die Entspannung noch lange lange lange anhält.