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Dez 02

Japan, Land der Verhaltensregeln…

rulesJapaner lieben Regeln, sogar mehr noch als Warnhinweise. Kaum ein Ort, an dem kein Schild hängt, auf dem man noch mal schnell nachlesen könnte, wie man sich zu verhalten hat. Falls tatsächlich irgendwo kein Schild hängt, ist erst recht Vorsicht angebracht, dann handelt es sich nämlich um ungeschriebene Regeln, die deswegen aber nicht weniger gültig sind.

Ihr wollt in keine der zahlreichen Fettnäpfchen treten, während ihr in Japan seid? Fehlanzeige, es gibt mehr, als man vermeiden kann. Ein kleiner Trost: Ausländern wird der Tritt in Fettnäpfchen leichter verziehen. Ein paar allgemeine Verhaltensregeln sollte man trotzdem beachten.

Punkt 1 – Schuhe

Japanische Häuser werden grundsätzlich ohne Schuhe betreten. Jedes Haus bzw. jede Wohnung hat einen kleinen Eingangsbereich, wo man seine Schuhe auszieht, bevor man über eine kleine Stufe den Wohnbereich betritt. Das ist auch keine Regel, deren Verstoß leicht verziehen wird, sondern ungeheuer wichtig. Es kann sein, dass man Besucherhausschlappen geliehen bekommt, dann sollte man diese auch anziehen. Ansonsten ist es – gerade im Sommer – angenehmer, barfuß zu gehen. Wichtig sind die Toiletten: Oft stehen am Eingang der Toiletten extra Toiletten-Schlappen bereit. Dann tauscht man beim Eintreten seine Hausschlappen gegen die Toilettenschlappen um, und UNBEDINGT bei Hinausgehen auch wieder die Toilettenschlappen gegen die Hausschlappen!

Auch an manchen öffentlichen Orten, z.B. in manchen Museen oder Restaurants/Izakayas werden die Schuhe ausgezogen. Es empfiehlt sich daher, ein bisschen auf die Umgebung zu achten und im Zweifelsfall das nachzuahmen, was die Einheimischen vormachen. Mit etwas Achtsamkeit kein Ding der Unmöglichkeit.

Punkt 2 – Visitenkarten

Geschäftlich in Japan? In Japan geht nichts ohne Visitenkarte. Daher ist Faux-Pas Nummer 1 schon mal, gar keine Visitenkarte zu haben. Faux-Pas Nummer 2? Das Austauschen der Visitenkarten ist gar nicht so einfach. Man muss nämlich die eigene Visitenkarte mit einer kleinen Verbeugung mit zwei Händen überreichen und GLEICHZEITIG die Visitenkarte des Gegenübers mit zwei Händen entgegennehmen. Kein Problem für Flip den Grashüpfer – wir anderen müssen ein bisschen üben. Ist das Überreichen erfolgreich verlaufen, wartet schon Faux-Pas Nummer 3 in einer Ecke und grinst schief – er wartet darauf, dass wir tun, was Menschen, die vielleicht etwas nervös sind, gerne tun: Ihre Hände beschäftigen. Mit der erhaltenen Visitenkarte ein bisschen rumspielen, vielleicht die Ecken umbiegen, am Ende gar Falten oder zusammenknittern… Bitte nicht! Bitte auch nicht in die Hosentasche oder sonst irgendwohin stecken. Die Visitenkarte symbolisiert den Gesprächspartner. Jede Kommunikation basiert auf gegenseitigem Respekt, und genauso wollen Visitenkarten auch behandelt werden – mit Respekt. Als erstes widmet man der Visitenkarte kurz seine Aufmerksamkeit, liest für sich vielleicht noch einmal den Namen und merkt ihn sich. Falls die Aussprache unklar ist, vergewissert man sich vielleicht noch kurz beim Gesprächspartner, dass man den Namen richtig ausspricht. Für die Japaner ist außerdem noch wichtig, welche Position innerhalb der Firma/Organisation das Gegenüber innehat – für das Hierarchiegefühl und die damit verbundenen Verhaltensregeln, Tiefe der Verbeugung, Wahl der sprachlichen Höflichkeitsstufe etc. Lassen wir diesen Punkt hier beiseite. Wenn man dann im Gespräch ist, legt man die Visitenkarte auf dem Tisch vor sich hin. Bitte nicht damit spielen! Gegen Ende des Gesprächs steckt man die Visitenkarte sorgsam (!) in sein Visitenkarten-Etui (gibt’s schon für 100 Yen im Daiso…), oder im Notfall in den Geldbeutel. Alles klar? Geht doch.

Punkt 3 – Öffentliche Verkehrsmittel

Die Regeln in öffentlichen Verkehrsmitteln sind im Prinzip die gleichen wie bei uns – mit dem Unterschied, dass sich die Japaner daran halten.

Die da wären:

– Vor dem Einsteigen die anderen Aussteigen lassen.
– Nicht einfach einsteigen, die anderen stehen nicht umsonst hinter der Markierung Schlange. Also hinten anstellen.
– In der Bahn den Rucksack ausziehen und zwischen die Beine oder auf die Gepäckablage stellen, eben so, dass er die anderen nicht stört.
– Sitzplatz ergattert? Prima, dann die Beine einziehen, damit die anderen genug Platz zum Stehen haben und nicht stolpern. Außer dir nur drei andere Fahrgäste in der Bahn? Schön für dich, aber bitte trotzdem die Beine einziehen. Benimm ist nun mal Benimm und nicht logisch.
– Betrunken? Bitte einschlafen oder ruhig vor dich hinschwanken wie die anderen Betrunkenen auch. Grölen, pöbeln und Leute belästigen gibt’s in Japan nicht. (Okay, soll ab und zu mal vorkommen, hab’s aber noch nie erlebt.)
– Kinder dabei, die aus dem Fenster gucken wollen? Dürfen sie, aber auch sie müssen sich an die Regeln halten und die Schuhe ausziehen, bevor sie auf den Sitz klettern. (Das ist echt wichtig!)

Ansonsten? Möglichst still sein, keinen belästigen, nicht telefonieren, nicht allzu laut unterhalten. In japanischen Zügen ist es normalerweise voll und still (bis auf das Rattern). Die meisten Leute lesen, spielen auf ihren Handys rum, hören Musik mit Kopfhörern oder starren einfach vor sich hin. Kann man blöd finden, oder spießig, aber glaubt mir, man gewöhnt sich daran. Nach der Rückkehr nach Deutschland ist das immer mein erster Kulturschock: Ich bin im Zug und die Leute sind laut, lachen, feiern, trinken, kreischen, pöbeln, schimpfen… Man erkennt übrigens in einem japanischen Shinkansen sofort, ob Ausländer (Europäer oder Amis) im Waggon sind, und zwar an der Lautstärke, in der sie sich unterhalten. Interessant, oder?

Das waren ein paar der Rules of Japan.
Vielleicht gibt es bald noch mehr.