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Nov 16

Zu Fuß von Honshu nach Kyushu

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„Zu Fuß nach Kyushu“

Klingt gut, oder? Hab ich gemacht!

Am Morgen habe ich Hiroshima Richtung Fukuoka verlassen. Etwas südlich von Fukuoka, in Itoshima, komme ich in einer netten Familie mit Kindern unter. Fukuoka liegt auf Kyushu, derjenigen der vier großen Inseln, aus denen Japan besteht, die sich am weitesten nach Süden erstreckt. Soweit ich weiß, fährt der Zug unter dem Meer durch, aber genau kann ich es nicht sagen, denn ich bin spontan an der letzten Haltestelle vorher ausgestiegen. Die südlichste Stadt Honshus ist Shimonoseki, dort bin ich ausgestiegen und mit dem Bus zum Hafen gefahren. Der Fischmarkt hat mittwochs geschlossen, aber rundherum gibt es viele kleine Restaurants, in denen man frischen Fisch essen kann. Shimonoseki ist berühmt dafür, dass sie dort solche komischen Sachen wie Walfisch und Kugelfisch essen. Ich habe beides vermieden und mich für frischen, rohen Lachs und Lachskaviar entschieden.

Ich habe gestaunt, wie nah Kyushu war. Die Autobrücke nach drüben sah nicht besonders lang aus, und ich hatte das Gefühl, ohne Gepäck hätte ich fast rüber schwimmen können… Tatsächlich gibt es einen Tunnel für Fußgänger nach drüben, und nachdem ich mich erkundigt habe, ob es auf der anderen Seite irgendeine Art von Bahnhof gibt, habe ich mich samt Gepäck auf den Weg gemacht. Der Tunnel ist nur ca. 700 Meter lang. Erst geht es langsam abwärts und dann wieder aufwärts. In der Mitte ist ein Strich auf den Boden gemalt, dort ist die offizielle Grenze zwischen der Präfektur Yamaguchi auf Honshu und der Präfektur Fukuoka auf Kyushu. Man hört ein bisschen das Wasser rauschen, aber es gibt keine Fenster.

Auf der anderen Seite bin ich eine Viertelstunde an der Küste entlang gelaufen, bis ich die Schienen der Kitakyushu Retroeisenbahn überquert habe. Dann habe ich mich an den Schienen orientiert und war froh, als ich schließlich am Bahnhof Mojikou angekommen bin. Den Bahnbeamten habe ich nach dem nächsten Bahnhof mit Shinkansenanschluss gefragt. Das war Kokura.

Wusstest du, dass es auch in Kokura eine Monorail gibt? Anders als die in Chiba hängt die aber nicht an ihrer einen Schiene, sondern fährt oben drauf. Gefahren bin ich sie nicht, und auch das Schloss, zu dem mich die Wegweiser am Bahnhof gleich führen wollten, habe ich mir nicht angeschaut. Man muss ja auch mal ankommen, und der Rucksack wurde langsam schwer.

Wieder im Shinkansen ging es ganz schnell. Ruckzuck war ich am Bahnhof Hakata in Fukuoka, und von dort nicht ganz so schnell mit der U-Bahn an meinem Zielbahnhof.

Yuka, bei der ich heute übernachte, hat mir angekündigt, dass sie erst spät nach Hause kommt und den Schlüssel für mich in den Briefkasten legt. Also habe ich mich auf die Suche nach dem richtigen Haus gemacht (kein Namensschild, Carport aus Beton, Pergola mit Efeu, schwarze Laterne und schwarzer Briefkasten…) – was dann zum Glück doch leichter war als gedacht. Hier sitze ich nun, satt, frisch geduscht und müde, auf dem gemütlichen Sofa in einem fremden Haus und schreibe meine Erlebnisse auf, während ich darauf warte, meine Gastgeber kennenzulernen.